Das sogenannte Brucktor- Ensemble besteht aus einem mittelalterlichen Gebäudekomplex, der bis heute den südlichen Altstadtzugang über den Inn prägt. Seit dem frühen 13. Jahrhundert haben sich hier am einstigen Flusshafen und Stapelplatz für Salz, Wein und Getreide charakteristische Bauten für Verteidigung, Lagerhaltung und Dienstleistung eng mit dem Torturm verbunden.

 

An der Ostseite des Brucktors entstand im 14. Jahrhundert das ehemalige Zeug- und Stadthaus mit Geschützen, Wachtstube, Bedienungsvorrichtung für die Zugbrücke und Speicherböden. Aus dieser Zeit sind die Kellergewölbe erhalten.

 

Das Erdgeschoss mit einer großen Wachtstube und dem Zolleinnehmerladen und die Speichergeschosse darüber wurden wohl mit dem Bruckturm um 1470 erneuert.

 

Noch bis zum 18. Jahrhundert bot man die eingelagerten Waren in niederen Ladenvorbauten entlang der Bruckgasse zum Kauf an. 1824 übernahm ein Brauer das Stadthaus, er ließ im Erdgeschoss Kappengewölbe für eine Pferdestallung und im Obergeschoss Wohnungen einbauen. Erst nach dem Ankauf des Gebäudes für die Hl.-Geist-Spitalstiftung und der Aufstockung 1892 erhielt die ehemals wehrhafte Front zum Inn ihre heutigen Fensterachsen sowie die Bezeichnung „Pensionat II“.

 

Seit 2001 gehört das Haus der Stadt Wasserburg, die eine denkmalgerechte Sanierung mit statischer Entlastung der Keller- und Erdgeschossgewölbe durchführen ließ.

 

Das auf der gleichen Seite der Bruckgasse stadteinwärts anschließende sogenannte „Ferstlhaus“ entstand wohl gleichzeitig mit dem Stadthaus und der gegenüberliegenden Spitalkirche im 14. Jahrhundert. Aus dieser Zeit stammen vermutlich das zentrale Kellergewölbe auf Mittelstütze und Teile der Umfassungswände aus Mischmauerwerk.

 

In Auf- und Grundriss geht das heutige viergeschossige Drittel- und Handwerkerhaus mit seinen ebenerdigen Werkstattgewölben und der Stockwerksaufteilung auf Erneuerungen im 15. und 16. Jahrhundert zurück. Die ursprünglich hier ausgeübten Gewerbe bezogen sich auf den Bedarf des am Brucktor einmündenden Reiseverkehrs. So ist die Schlosserei seit dem 16. Jahrhundert überliefert und die Schneiderei und ein Krämer sind seit dem späten 18. Jahrhundert nachzuweisen. Auch hier waren ebenerdig Verkaufsläden zur Bruckgasse vorgebaut, die spätestens 1929 beim Einbau von Fußgängerarkaden verschwanden.

 

Im Inneren haben Befunduntersuchungen Ausstattungsdetails und Ausmalungen vom späten Mittelalter bis zum frühen 20. Jahrhundert zum Vorschein gebracht.

 

Das Ferstlhaus und das Pensionat II sind Gebäude von hohem denkmalpflegerischem und städtebaulichem Wert. Ihre behutsame Sanierung und denkmalgerechte Nutzung war eine der zentralen Aufgaben der Altstadtsanierung Wasserburgs. Daher galt es, ein den hochwertigen Denkmalbestand respektierendes, aber auch die Chancen für eine positive Altstadtentwicklung aufgreifendes Nutzungskonzept für die historischen Gebäude zu finden.

 

Es gab zahlreiche Nutzungsüberlegungen – vom Archiv bis zum Museum – bis das zwischenzeitlich realisierte Nutzungskonzept gefunden wurde: Seniorenfreundliche Wohnungen im Pensionat II und Kunsthandwerker- und Künstlerateliers im Ferstlhaus.

 

Das Nutzungskonzept berücksichtigt die zentrale Innenstadtlage sowie Blick und Sichtbezüge nach Süden und städtebaulich die unmittelbare Anbindung an das Innufer und seine Grünanlagen.

 

Bei den Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten der Gebäude Bruckgasse 5 und 7 wurde die Belange des Denkmalschutzes im Innen- und Außenbereich an oberste Stelle gesetzt. Der Erhalt der historischen Substanz konnte dadurch konsquent in allen Bereichen umgesetzt werden.

Bauherr:

Stadt Wasserburg am Inn

Architekten:

PLANKREIS Architekten und Stadtplaner

Planung und Projektleitung:

Albrecht Schneiderhan Architekt

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