Auf der Südwestseite des Tittmoninger Stadtplatzes befindet sich das heutige Stadtsaalgebäude. Seine sechs Fensterachsen an der Fassade der Stadtplatzseite weisen darauf hin, dass es ursprünglich aus zwei Häusern mit je drei Fensterachsen bestand.

 

Das mit der Längsseite an die heutige Distlergasse grenzende Gebäude gehörte anfangs Bierbrauern, die von etwa 1570 bis 1633 dort das Braurecht ausübten.

 

Das zweite Gebäude, nördlich an die ehemalige Brauerei angrenzend, war eine Kramer- oder Handelsbehausung. Die Besitzer handelten mit Schießpulver und anderen Waren. Vor allem aber vertrieben sie Wein vom Neckar, aus dem südtirolerischen Tramin, Osterwein aus der Wachau und Branntwein. Um 1750 wurde nach etlichen Besitzerwechseln eine Gastwirtschaft eingerichtet, die dann um 1780 ebenfalls an eine Bierbrauerfamilie überging. In dieser Zeit sind beide Häuser vereint worden.

 

Im Dezember 1993 erwarb die Stadt Tittmoning das wichtige Baudenkmal am Stadtplatz zur Einrichtung eines Saales für öffentliche Veranstaltungen aller Art. Nach einer längeren intensiven Planungs- und Untersuchungsphase begannen im Herbst 1999 die Umbau- und Sanierungsarbeiten. Seit dem Abschluss der Arbeiten im Sommer 2001 besitzt die Stadt Tittmoning ein Gebäude mit einem Stadtsaal im Obergeschoss und einem bestens ausgestatteten Gaststättenbetrieb im Erdgeschoss, in dem Hochzeiten, Faschingsveranstaltungen, Theater und andere kulturelle Veranstaltungen unterschiedlichster Art abgehalten werden können.

 

Wichtigstes Ziel der Sanierung war es, die gewünschte vielfältige Nutzbarkeit durch das Angebot unterschiedlicher Räumlichkeiten (Gastraum, Nebenraum, Gewölberaum, variabler Stadtsaal etc.) zu ermöglichen sowie die vorhandenen gravierenden Mängel in den Bereichen Brandschutz, Haustechnik und Organisation der Grundrisse zu beseitigen, die einen sinnvollen und sicheren Betrieb des Gebäudes unmöglich machten.

 

Die durchgängigen Flure sind ein typisches Merkmal der Tittmoninger Stadtplatzhäuser. Ursprünglich hatten beide Gebäude jeweils im Norden einen derartigen Flurbereich. Diese Flure wieder erkennbar zu machen, um damit die ursprüngliche Grundrißstruktur -zumindest in Teilen- zu rekonstruieren, war eine der Grundideen des Entwurfs. Im südlichen Gebäudeteil konnte dieser vollständig wieder hergestellt werden. Der Flur endet im neu entstandenen ummauerten Hofbereich, der entstand, nachdem die Nebengebäude rückgebaut wurden. Auf der Nordseite wurde seitlich, entlang der Grundstücksgrenze ein kleines erdgeschossiges Nebengebäude mit Pultdach neu errichtet, das alle Nebenräume für den Gastronomiebetrieb und für die Haustechnik enthält. Der neu entstandene Hofbereich dient als Wirtsgarten und als Forum für unterschiedliche Freiluftveranstaltungen.

Bauherr:

Stadt Tittmoning

Architekten:

PLANKREIS Architekten und Stadtplaner

Planung und Projektleitung:

Albrecht Schneiderhan Architekt

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