Das Gelände der Funkkaserne hebt sich seit seiner Erbauung von der umgebenden Baustruktur ab. Eine Mauer definiert ein introvertiertes Areal. Die ursprüngliche Nutzung ist an der Zweckarchitektur ablesbar. Das Konzept stärkt diesen eigenständigen Charakter, die Geschichte des Ortes ist weiterhin spürbar. Der Entwurf orientiert sich nicht an der Punkthausstruktur der Parkstadt Schwabing, nicht an den großflächigen Industrie und Gewerbeanlagen der nördlich anschließenden Bebauung.

 

Die Umgebung wird akzeptiert. Der Versuch, die Neugestaltung des Kasernenareals über räumliche, geschichtliche oder nutzungsspezifische Distanzen hinweg an die Umgebung anzupassen wird nicht unternommen. Stattdessen werden die vorhandenen Elemente transformiert.

 

So entwickelt sich die Mauer zu einer Schallschutzbebauung mit bis zu sieben Geschossen. Enge, sparsam eingefügte Schlitze markieren die Verkehrserschließung. Die stark frequentierte Torsituation im Westen mit Platz und Straßenbahnanbindung steht in Analogie zur historischen Bedeutung des Bahnhofs.

 

Der keilförmige Bereich im Zentrum der Anlage wird von seiner atypischen Bebauung befreit. So entsteht ein durchlaufender Grünzug, der wertvollen Baumbestand und Flächen ökologischer Bedeutung einschließt.

 

Inversion

Das Kasernengelände ist derzeit von schlichten Zeilenbauten, klar definierten Zwischenräumen und abwechslungsreichen Grünflächen geprägt – eine Struktur, die den genius loci bestimmt.

Eine Nachverdichtung durch Gebäude gleicher oder ähnlicher Typologie würde den Charakter schwächen oder sogar zerstören. Der Entwurf stellt stattdessen die Topographie invers dar: bestehendes wird ausgehöhlt, unbebautes wird bebaut. Die Grünflächen werden zu einem zentralen Park zusammengefasst.

 

Kasernenhöfe

Die entkernten Kasernengebäude werden zu Höfen, bilden einen klar definierten Außenraum, ermöglichen das allseitige Anbauen. Die freistehenden Giebel und die rauen Oberflächen der Lochfassaden schaffen eine phantasievolle unfertige Atmosphäre in der die Nutzer ihren Visionen freien Lauf lassen können. Künstlerateliers lagern sich an, Gastronomie und Kleingewerbe beleben die Höfe. Andere wiederum sind Spielflächen oder Ruheoasen.

Auslober:

Landeshauptstadt München

Architekten:

Martin Ilg, Klaus Beutler, Albrecht Schneiderhan

Landschaftsarchitekt:

Christof Pyka

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